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IP-Transit-Abrechnung·6 Min. LesezeitNUXOA GmbH

95. Perzentil: Wie werden 5-Minuten-Messwerte abgerechnet?

Messwerte sortieren, Spitzen verwerfen, Richtung und Commit anwenden: ein nachvollziehbares Beispiel plus Vertragscheckliste für 95/5-Abrechnung.

Bei der 95/5-Abrechnung werden die regelmäßigen Bandbreitenmesswerte eines Abrechnungszeitraums der Größe nach sortiert. Die höchsten fünf Prozent fallen aus der Berechnung; der danach höchste Wert ist das 95. Perzentil. Erst anschließend wird dieser Wert nach der vereinbarten Richtungsregel mit dem Commit verglichen. Deshalb sind Messintervall, Messgröße, Richtung, Aggregation und Rundung ebenso wichtig wie die Zahl auf der Rechnung.

Was das 95. Perzentil bedeutet – und was nicht

Ein Perzentil beschreibt die Verteilung der Messwerte. Beim 95. Perzentil liegen 95 Prozent der Werte auf oder unter diesem Grenzwert; fünf Prozent liegen darüber. Es ist kein Monatsdurchschnitt, nicht der einzelne Höchstwert und auch nicht die Aussage, dass 95 Prozent des übertragenen Datenvolumens abgerechnet würden. Juniper beschreibt Perzentil, Durchschnitt, Minimum und Maximum deshalb als getrennte Kennzahlen und weist zusätzlich auf das jeweilige Aggregationsintervall hin.

Juniper Networks: Perzentile und Messintervalle

Nicht mit der DDoS-Lernbasis verwechseln

Die AS51202-Angabe, dass 95 % des legitimen Traffics als Basis für adaptives Threshold Learning dienen, bezeichnet ausdrücklich nicht das 95. Perzentil der Abrechnung. Das sind zwei verschiedene Zusammenhänge. Während eines Angriffs pausiert dort das Lernen, die Filterung bleibt aktiv.

Ein vollständiges Beispiel mit 20 Messwerten

Das folgende verkürzte Beispiel ist ausdrücklich illustrativ. Zwanzig Messwerte machen den Rechenweg sichtbar, weil jeder Wert genau fünf Prozent der Stichprobe ausmacht. In einer echten Monatsabrechnung gibt es wesentlich mehr Werte und vertraglich festgelegte Regeln.

Illustrative Messreihe in Mbit/s, bereits absteigend sortiert
RangMesswerteBehandlung
12.000oberste 5 %: verwerfen
280095. Perzentil
3–5700, 680, 650einbeziehen
6–10620, 610, 600, 590, 580einbeziehen
11–15570, 560, 550, 540, 530einbeziehen
16–20520, 510, 500, 490, 480einbeziehen
  1. 1Alle gültigen Werte des Abrechnungszeitraums sammeln; hier sind es 20.
  2. 2Die Werte absteigend sortieren, unabhängig davon, wann sie innerhalb des Zeitraums auftraten.
  3. 3Fünf Prozent von 20 sind genau ein Wert. Der Spitzenwert 2.000 Mbit/s wird verworfen.
  4. 4Der nächste Wert, 800 Mbit/s, ist in diesem Beispiel das 95. Perzentil.
  5. 5Erst jetzt folgen Richtungsregel, Commit und der vertraglich vereinbarte Preis für Mehrverbrauch.

Illustratives Ergebnis

Bei einem angenommenen Commit von 600 Mbit/s läge die Differenz zum 95. Perzentil bei 200 Mbit/s. Ob und zu welchem Satz diese Differenz berechnet wird, bestimmt ausschließlich das konkrete Angebot. Das Beispiel ist keine AS51202-Rechnung und keine Preiszusage.

Was ein 30-Tage-Monat mit 5-Minuten-Werten verändert

Bei lückenlosen Fünf-Minuten-Intervallen entstehen an 30 Tagen 8.640 Messwerte. Fünf Prozent davon sind 432 Werte; nach deren Entfernung ist der 433.-höchste Wert die Abrechnungsbasis. Genau dieses Rechenbeispiel dokumentiert Equinix für sein eigenes Burstable-Billing-Modell. Es erklärt die Mathematik, legt aber keine Vertragsbedingungen eines anderen Anbieters fest.

Equinix: Burstable Billing mit 5-Minuten-Messwerten

Die obersten fünf Prozent entsprechen in diesem idealisierten 30-Tage-Fall zusammen 36 Stunden. Diese Zeit muss nicht am Stück auftreten: Viele kurze Spitzen können denselben Anteil füllen wie ein zusammenhängender Zeitraum. Sobald hohe Nutzung länger anhält, rutschen weitere hohe Werte unter die Abschneidegrenze und erhöhen das 95. Perzentil. In einem 31-Tage-Monat, bei einem Teilmonat oder bei fehlenden Messwerten ist die Anzahl anders; deshalb muss der Vertrag die Rundung und den Umgang mit Lücken festlegen.

Ein- und Ausgangsverkehr: vier Regeln mit unterschiedlichen Ergebnissen

Ingress und Egress bilden zwei Messreihen. Aus ihnen kann ein Anbieter auf verschiedene Weise eine Abrechnungsgröße bilden. Keine Variante folgt allein aus dem Begriff ‚95. Perzentil‘. Sie muss im Angebot stehen und sich im Nutzungsreport nachvollziehen lassen.

Gängige Richtungs- und Aggregationsmodelle
RegelBerechnungPrüffrage
Höhere RichtungP95 für Ingress und Egress getrennt; der höhere Wert zähltSind beide Reihen im Report sichtbar?
Summe der RichtungswerteSeparates P95 je Richtung; beide Ergebnisse addierenIst die Addition ausdrücklich vereinbart?
Summe je IntervallIngress und Egress je Zeitfenster addieren; daraus ein P95 bildenWerden zeitgleiche Werte zusammengeführt?
Getrennte AbrechnungJede Richtung erhält eigene Commit- und PreisregelnGibt es einen oder zwei Commits?

Die Summe zweier getrennt berechneter Perzentile ist im Allgemeinen nicht identisch mit dem Perzentil der zeitgleichen Summe. Spitzen können in beiden Richtungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten. Eine eigene Kontrollrechnung muss daher dieselbe Regel und dieselben Zeitfenster wie der Anbieter verwenden.

Commit, Port und Mehrverbrauch sauber trennen

Der Commit ist die vertraglich mindestens berechnete Bandbreite. Die Portgeschwindigkeit ist dagegen die technische Obergrenze der Übergabe und nicht automatisch die Abrechnungsbasis. Liegt der nach allen Regeln ermittelte Messwert unter dem Commit, bleibt üblicherweise der Commit maßgeblich. Liegt er darüber, kann die Differenz als Mehrverbrauch berechnet werden – aber nur zu dem Preis und nach der Formel, die im Angebot vereinbart wurden.

Prüfformel für ein konkretes Angebot

Abrechnungsbasis = Maximum aus Commit und vertraglich ermitteltem 95.-Perzentil-Wert. Mehrverbrauchsmenge = Maximum aus 0 und Abrechnungsbasis minus Commit. Diese einfache Darstellung hilft beim Lesen eines Angebots; Preisstaffeln, Mindestbeträge oder andere Vertragsregeln können sie erweitern.

Diese Angaben müssen Messung und Vertrag gemeinsam beantworten

  • Messpunkt: Welcher Port, welches logische Interface oder welche Gruppe wird erfasst?
  • Messgröße: Wird ein Zählerdelta, ein Mittelwert oder ein anderer Wert pro Intervall verwendet, und in welchen Einheiten?
  • Zeitraum: Wann beginnt und endet der Abrechnungsmonat, in welcher Zeitzone und wie werden Teilmonate behandelt?
  • Vollständigkeit: Was geschieht mit fehlenden, doppelten oder unplausiblen Messwerten und wie wird die Zahl der zu verwerfenden Werte gerundet?
  • Richtung: Zählt die höhere Richtung, eine Summe oder eine getrennte Abrechnung?
  • Aggregation: Werden redundante Ports, LAG-Mitglieder, Standorte sowie IPv4 und IPv6 gemeinsam oder getrennt betrachtet?
  • Mitigation: Wird Verkehr vor oder nach einer DDoS-Filterung gemessen, und wie behandelt der Vertrag nachweisbaren Angriffstraffic?
  • Nachweis: Stehen Zeitreihe, Messwertanzahl, ausgeschlossene Werte und finale Rechnung für eine Prüfung bereit?

RFC 2330 ist kein Abrechnungsstandard. Das Dokument macht aber deutlich, warum eine Metrik zusammen mit Methode, Messbedingungen und Fehlerquellen beschrieben werden muss. Für eine prüfbare Transit-Rechnung gilt dasselbe Prinzip: Eine Prozentzahl ohne definierte Messreihe ist nicht reproduzierbar.

RFC 2330: Rahmenwerk für IP-Performance-Messungen

Den Commit mit echten Zeitreihen planen

  1. 1Exportieren Sie mehrere vollständige, repräsentative Monate mit denselben Intervallen wie im Angebot.
  2. 2Berechnen Sie das 95. Perzentil exakt nach der vorgesehenen Richtungs- und Aggregationsregel nach.
  3. 3Markieren Sie einmalige Ereignisse wie Migrationen, Backups oder Angriffe, entfernen Sie sie aber nicht stillschweigend aus der Planung.
  4. 4Bewerten Sie normalen Betrieb, erwartetes Wachstum und saisonale Spitzen getrennt; ein Durchschnitt verdeckt die für P95 entscheidende Verteilung.
  5. 5Vergleichen Sie den geplanten Commit mit Portreserve und Mehrverbrauchspreis und prüfen Sie später den ersten Anbieterreport gegen die eigene Rechnung.

Welche Daten in eine Transit-Anfrage gehören

Für ein belastbares Angebot helfen Standort, gewünschte Portgröße, heutiger Commit, mehrere monatliche Ingress-/Egress-Zeitreihen, erwartetes Wachstum und bekannte Sonderlasten. Fragen Sie ausdrücklich nach Messintervall, Richtungsregel, Aggregation, Mehrverbrauchspreis und der Behandlung von DDoS-Verkehr. So lässt sich ein Angebot technisch und kaufmännisch nachrechnen, statt nur zwei Commit-Preise zu vergleichen.

Quellen